Soziale Distanz in Afrika nur schwer einzuhalten

 

Bouma Bazié aus Koudougou berichtet über die Coronakrise in Burkina Faso

An vielen Schulen von Viernheim und anderen Orten der Metropolregion Rhein-Neckar ist er gut bekannt. Bouma Bazié aus Burkina Faso hatte in den letzten Jahren unzählige Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen mit Humor und einem Schuss Spannung über das Alltagsleben in den Dörfern von Burkina Faso, über besondere Sitten und Gebräuche informiert. Focus e. V. hat nun den Lehrer für Technik und Deutsch gebeten, über die aktuelle Situation der Coronakrise in Burkina Faso zu berichten.

Grundnahrungsmittel werden teurer

Anfangs wurde die Krankheit von allen Institutionen geleugnet. Es sei eine Krankheit der Chinesen und Europäer, erinnert sich Bazié. Hitze und UV-Strahlung würden eine großflächige Ausbreitung der Krankheit im Land verhindern. Erst als die Parlamentsabgeordnete Campaoré und ein bekanntes Pfarrerehepaar verstarben, habe sich die Einstellung geändert. Die Regierung ergriff strenge Maßnahmen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreite. Schulen und Universitäten wurden geschlossen, große Städte abgeriegelt, der Personentransport zwischen den Städten stillgelegt und viele kleine Geschäfte und Handwerksbetriebe geschlossen. Das führe nun dazu, dass viele Familien hungern, da sie fast keine Reserven besitzen, so Bazié. Steigende Preise bei den Grundnahrungsmitteln würden die Situation weiter verschärfen.

Bezüglich der Fälle von Coronaerkrankungen werde eine hohe Dunkelziffer erwartet, da Untersuchungen lediglich in der Hauptstadt Ouagadougou und in Bobo-Diolasso erfolgen. Die Zahl der Intensivbetten und der Beatmungsgeräte ist sehr begrenzt und lediglich auf große Städte beschränkt und wird bei einem Anstieg der Fallzahlen nur einem Bruchteil der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Zumal diese Betten schon die ganze Zeit für schwere Erkrankungen genutzt werden. In den einfachen ländlichen Gesundheitsstationen ist eine Behandlung der Coronaerkrankung nicht möglich. In den Fernseh- und Radiosendungen erklären einheimische Experten, wie man sich vor dem Virus schützen kann: Abstand halten, Mundschutz und Hände waschen. Man hat große Hoffnung, dass sich das Malariamittel Chloroquine für eine Behandlung der Coronaerkrankung als nützlich erweist.

Menschen leben eng zusammen

„Im Bereich des sozialen Zusammenlebens sind die Einschränkungen ein Hammer für jeden Burkinabé“, so Bazié. „Voneinander Distanz halten, sich die Hand nicht mehr geben, das sind zwar gute Maßnahmen, aber schockierend und schwer einzuhalten für unser Volk. Die Menschen leben hier eng zusammen und diese Maßnahmen schaffen Distanz zwischen den Menschen und sogar zwischen den Familienmitgliedern. Aktuell sind es über 40 Grad im Schatten und man hält sich im Freien auf. Die sozialen Kontakte in der Familie, zu Freunden, zu Nachbarn, in Geschäften oder auf der Straße sind sehr wichtig für uns Afrikaner. Die Ausgangssperre im ganzen Land ab 19 Uhr trifft uns hart.“

Aktuell ist geplant, dass ab dem 28. April die Schulen wieder geöffnet werden. Dabei sollen ein einfacher Mund-Nasenschutz und Handwaschanlagen mit Seife für jeden Klassenraum verpflichtend sein. Trotzdem ist es ein riskantes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass sich gerade in der Grundschule oft über 80 Schülerinnen und Schüler in einem Klassenraum aufhalten.

Bilder:

Die Bilder zeigen Bouma Bazié

  • mit seiner Familie
  • bei einem Vortrag an der Albertus-Magnus-Schule Viernheim