47 Kinder mit akuter Mangelernährung identifiziert

Laien-Gesundheitshelfer leisten wertvolle Arbeit in Viernheims Partnerregion Silly

  • Unter dem Stichwort „Viernheim hilft Silly“ können Sie den Frauen und Kindern mit Nahrungsmitteln und bei der medizinischen Versorgung helfen.
  • Konto des Vereins Focus e. V. bei der Sparkasse Starkenburg: IBAN DE18 5095 1469 0013 2365 62. Bei Angabe des Namens und der Adresse wird eine Zuwendungsbescheinigung ausgestellt.

Das Flüchtlingsproblem ist nicht nur auf Europa beschränkt, sondern eine weltweite Herausforderung. Allein in Burkina Faso sind über 800.000 Menschen auf der Flucht, etwa 4 % der Gesamtbevölkerung. Ursache ist die Wasserknappheit und die brutalen Überfälle der Terrorgruppen im Norden des Landes. Auch in Viernheims Partnerregion Silly haben sich über 600 Menschen in notdürftigen Behausungen niedergelassen. Meist sind es schwer traumatisierte Frauen und Kinder, die Männer wurden von den marodierenden Gruppen rekrutiert, verschleppt bzw. getötet. Die Partnerschaftsverein Focus e. V. hatte im Frühjahr als Sofortmaßnahmen einen Tiefbrunnen bohren und über 13 Tonnen Nahrungsmittel und Hygieneartikel an die Flüchtlinge verteilen lassen. Wir berichteten. In den letzten Wochen wurden nun über 300 Kinder in den acht Gesundheitsstationen hinsichtlich des Ernährungszustandes und etwaigen Krankheiten eingehend untersucht.

Mithilfe des MUAC-Tests (Englisch für Mid-Upper Arm Circumference) konnten 47 stark unterernährte Kinder identifiziert werden. „Bei dem MUAC-Test handelt es sich um einen Schnelltest für Kinder im Alter von 1 - 5 Jahren, bei dem der Umfang in der Mitte des linken Oberarms gemessen wird. Bei einem Umfang unter 11 cm signalisiert das Maßband durch eine rote Einfärbung eine akute Mangelernährung die auch zum Tode führen kann. “, so Wolfgang Pachner, der beim Verein Focus e. V. für den Bereich der Gesundheit zuständig ist. „Unterernährung ist im Kindesalter deshalb so kritisch, da die körperliche und geistige Entwicklung stark eingeschränkt wird. Außerdem sind die Kinder deutlich anfälliger für Krankheiten wie Durchfall, Lungenentzündung, Malaria und zeigen oft apathisches Verhalten.“

Die Gesamtleitung für das Flüchtlingsprojekt hat Kamou Konate, der erste Stadtrat von Silly. „Ich bin sehr dankbar, dass Focus e. V. die Mittel für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung stellt. Nur so können wir die Beschaffung der Aufbaunahrung und die kostenpflichtige medizinische Versorgung der Frauen und Kinder gewährleisten“, erläutert Konate. Dabei erstrecke sich das Ernährungsprogramm für die mangelernährten Kinder über einen Zeitraum von vier Monaten, um den Mangel an Eiweiß, Fett, Vitaminen und Mineralien durch eine spezielle Nahrung auszugleichen. Für die vier Monate fielen Kosten in Höhe von 25.000 FCFA (knapp 40 EUR) pro Kind an, so Konate.

Unterstützt wird das Personal der Gesundheitsstationen durch die „Agents de Santé à Base Communautaire (ASBC)“. Jedes des 33 Dörfer in der Region Silly verfügt über zwei dieser Laien-Gesundheitshelfer, die die medizinische Grundversorgung innerhalb der Gemeinde gewährleisten. Sie dienen als erste Anlaufstellen bei der Wundversorgung, Besprechen mit den Patienten die ordnungsgemäße Einnahme von Medikamenten und Veranlassen die Überführung in die bis zu 15 Kilometer entfernten Gesundheitsstationen. „Ohne die wertvolle Arbeit der Laien-Gesundheitshelfer wäre es uns nicht möglich, die sachgemäße medizinische Versorgung der Frauen und Kinder sicherzustellen. Die offizielle Vergütung beträgt 20.000 FCFA (30 EUR) pro Monat. Leider kommt der Staat nicht immer seinen finanziellen Verpflichtungen nach“, bedauert Konate.

Sorgen bereite ihm auch die kommenden Monate bis zur Erntezeit im Herbst. Während der Sommermonate würden auch bei der ansässigen Bevölkerung die Vorräte knapper werden, so dass die Bereitschaft zur Abgabe von Nahrungsmittel an die Flüchtlinge deutlich sinke, so Konate.

Fotos:

  • Die roten Bereiche des MUAC-Schnelltests signalisieren den Zustand der Mangelernährung
  • Grün bedeutet, dass das Kind hinreichend Nahrung erhält
  • Jedes Kind wird zusätzlich zum Schnelltest gewogen