Überschwemmungen in vielen Regionen Burkina Fasos

 

Zerstörungen, Todesfälle und Ernteausfälle durch extremen Starkregen

Filmsequenz zu den Überschemmungen

 

„Burkina Faso ist das Land der Extremen. Haben sich aufgrund des Klimawandels die Regenzeiten gegenüber früher fast ausnahmslos verkürzt und sich die Regenmenge deutlich verringert, so schlägt das Pendel dieses Jahr genau zur anderen Seite aus“, so Bouma Bazié, Lehrer für Metalltechnik und Deutsch, aus Koudougou. „War im Jahr 2017 die Regenmenge sogar so gering, dass 2018 eine Periode der Nahrungsmittelknappheit folgte, zeigt der Regen dieses Jahr seine zerstörerische Wirkung.“ Bouma Bazié ist vielen Viernheimer Schülerinnen und Schülern bekannt durch seine spannenden Ausführungen zum Alltagsleben der Menschen in den Dörfern von Burkina Faso. In einem Bericht, den Bazié an den Partnerschaftsverein Focus e. V. übermittelt hat, beschreibt er die aktuelle Situation ausführlich.

„Die Wettervorhersagen im Radio und im Fernsehen warnten schon im Mai, es bestünde die Gefahr, dass es in Burkina und in der ganzen Sahelzone dieses Jahr viel regnen würde. Die Regenzeit fing sehr seltsam an. Schon im April hat es zwei Mal stark geregnet und wir dachten, wir würden diesmal eine tolle Regenzeit haben. Es war sehr heiß und wir freuten uns auf die sinkenden Temperaturen. Üblicherweise startet die Regenzeit frühestens Ende Mai und geht bis Mitte Oktober. Die Bauern im Zentrum und im Süden hatten dieses Jahr schon im April angefangen zu säen.

Niederschläge fallen sehr ungleichmäßig

Man weiß aber aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass die Niederschläge sehr ungleichmäßig fallen. Nach vier intensiven Regenfällen war dann nichts mehr. Es kam eine Trockenheit, bei der die ersten Sämlinge, die bereits 40-50 cm hoch waren, wieder vernichtet wurden. Es gab kein Regen bis Ende Juni. Die Bevölkerung, über 90 % leben unmittelbar von der Landwirtschaft, geriet in Panik. Burkina Faso war in dieser Zeit mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Das Coronavirus führte zur Schließung von Schulen, Universitäten, Kneipen und Läden und zu Ausgangssperren in größeren Städten. Durch den Terrorismus dschihadistischer Gruppen kam es zur Verunsicherung der Bevölkerung und zur Flucht von über einer Million Binnenflüchtlingen. Der Streik der Gewerkschaften und Spannungen zwischen der Regierung und der Opposition führte zu sozialen und politischen Unruhen. Die Preise stiegen.

In dieser Zeit warnte der Bürgermeister der Hauptstadt Ouagadougou vor möglichen Überschwemmungen wegen ergiebiger Regenfälle. Die Menschen in den betroffenen Risikogebieten sollten deshalb entsprechende Vorkehrungen treffen. Insbesondere in den großen Städten ist die primitive Kanalisation verstopft und kann die großen Regenmengen nicht aufnehmen. Da die Häuser meist aus Lehm gebaut sind, wurden durch die Starkregen viele Gebäude zerstört. Bis zum 11. September wurden insgesamt über 22.000 Menschen vorübergehend in Schulgebäuden untergebracht. Durch die Regenfälle sind auch Menschen gestorben. Viele Felder stehen nun unter Wasser und die Bauern befürchten in diesen Gegenden eine geringe Ernte.“

Lage in Silly weniger dramatisch

„In Silly, dem Partnerlandkreis Viernheims in Burkina Faso, ist die Bevölkerung jedes Jahr einer schwierigen Situation ausgesetzt“, fährt Bouma Bazié fort. „Grund dafür ist die geografische Lage zwischen den beiden größten Flüssen des Landes, des Mouhouns und des Nazinons. Die Wassermassen schießen durch die ausgetrockneten Flussbetten und reißen alles mit sich. Familien haben ihre Häuser verloren, die Felder in der Nähe von Teichen und Wasserläufen stehen unter Wasser. Die sandigen Straßenpisten werden unterspült und sind teilweise nicht mehr befahrbar. Unpassierbar sind auch einige Radiers wegen des hohen Wasserstands. Radiers sind abgesenkte Straßenabschnitte, die in der Regenzeit von den Wasserläufen überflutet werden, vergleichbar einer Furt. Trotzdem hat es die Bevölkerung in Silly noch gut“, beendet Bouma Bazié seinen Bericht. „Es regnet durchschnittlich alle vier Tage, was auf eine gute Ernte hoffen lässt.“

Kurze Filmsequenz

Focus e. V. hat eine kurze Filmsequenz zu den Überflutungen bei Youtube eingestellt. Normalerweise ist an der gezeigten Stelle eine vielbefahrene Sandpiste zwischen den Orten Poura und Fara, etwa 25 km von Silly entfernt. Die Flutwellen sind nun so hoch, dass dieser Straßenabschnitt nur mit kleinen Booten befahren werden kann. Wie in dem Film im Hintergrund zu sehen ist, werden selbst kleine Lastwagen auf abenteuerliche Weise per Boot übergesetzt.

LINK zu der Filmsequenz unter Youtube

 

Bilder:

Bei normalem Regen ist der Radier bei der Ortschaft Silly gut passierbar.

Bei Starkregen steigt der Wasserspiegel in den Radiers und es bilden sich gefährliche Strömungen.

Bouma Bazié bei seinem Aufenthalt in Viernheim